Bambus-Bilanz 2012: Wieder durchgegrünt – aber mehr auch nicht, oder?

Bevor der nächste Winter einzieht darf ein abschließender Blick auf die Bambussaison 2012 nicht fehlen. Nach dem dramatischen Start mit Rekordminusgraden im Februar und beigem Blätterwald folgte im Frühjahr/Sommer ein banges Warten: Haben alle Pflanzen überlebt? Wenn ja, in welchem Zustand? Wie viele Halmverluste müssen wir verkraften? Wie wird der Neuaustrieb aussehen? Die Antworten fallen zum Teil überraschend aus, einige bestätigen Erfahrungen aus den vergangenen Jahren. Aber der Reihe nach …

Ich starte mal mit den erfreulichen Kandidaten. Alle Fargesia-murielae-Sorten, die wir gepflanzt haben – von ‚Flamingo’ bis ‚Standing Stone’ – haben die bittere Kälte souverän gemeistert. Dies gilt ebenfalls für Fargesia denudata ‚Lancaster 1’, Fargesia rufa und die Fargesia spez. jiuzhaigou 1, 9, ‚Geneve’ und ‚Wagner’. Der Neuaustrieb überzeugte ebenfalls. Sogar die frühen neuen Halme von Fargesia rufa blieben in diesem Jahr von Spätfrösten verschont. Noch kurz ein Wort zur rufa: Dieser Bambus steht bei uns im vierten Jahr und lässt so langsam sein Potenzial erahnen. Wir haben ihn im Sommer 2008 als kleines Pflänzchen in Holland gekauft. Heute hat er bereits einen Durchmesser von drei Metern bei einer Höhe von 1,90 Meter.

Deutlich sensibler auf die winterlichen Temperaturen reagierten Fargesia robusta ‚Campbell’ und ‚Big Leaves’. Bei ‚Campbell’ waren viele Halme in der oberen Hälfte erfroren und der erhebliche Blattverlust wurde nur zum Teil wieder durch neue Blätter ersetzt. Zudem fiel der Neuaustrieb in der Höhe wesentlich niedriger aus als im Jahr davor. Dass die Pflanze so stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, überrascht mich schon, denn sie steht ziemlich geschützt durch eine alte Thujahecke direkt an der Nordwand unseres Hauses. Bei der ‚Big Leaves’ war natürlich mit erheblichen Schäden zu rechnen. Trotz Styroporummantelung (oben offen) haben viele Halme nicht überlebt. Aber die Pflanze treibt wieder aus. Dieser späte, nach wie vor andauernde Austrieb ist natürlich ein Problem bei strengen Wintern, da die noch weichen, sensiblen Junghalme dem Frost wenig entgegenzusetzen haben. Eine Überlegung wäre, den Styroporschutz in diesem Winter oben zu schließen – warten wir ab, wie weit das Thermometer sinkt.

Härtetest für Phyllostachys

Bei den Phyllostachys trennte sich in diesem Jahr ganz klar die Spreu vom Weizen. So werden wir in unserem Garten wohl definitiv auf üppige Vivax-Haine verzichten müssen – es sein denn, die vergangenen drei Winter wiederholen sich in den nächsten 20 Jahren nicht. Ein im Sommer 2006 gepflanzter Ph. vivax ‚Aureocaulis’ ging oberirdisch total in die Knie. Lange Zeit sah es sogar danach aus, dass das Rhizom komplett abgestorben war, denn es tat sich gar nichts. Am 7. Juli entdeckte ich schließlich doch EINEN zarten neuen Halm – er brachte es auf eine Höhe von 1,25 Meter. Auch bei Ph. vivax ‚Huangwenzhu’ (gesetzt im Frühjahr 2008) starben alle hohen Halme bis zum Boden ab und der Neuaustrieb blieb deutlich hinter dem der vorigen Jahre zurück.

Erfreulicher Lichtblick ist erwartungsgemäß Ph. aureosulcata ‚Aureocaulis’: Hier war kein Halmverlust zu beklagen, der einst beige Blätterwald erstrahlt wieder in frischem Grün und die neuen Halme haben in puncto Höhe und Durchmesser das Niveau gehalten bzw. leicht zugelegt. Auch Ph. bissetii erfüllte die in ihn gesetzten Hoffnungen. Die Halme liegen im Durchmesser allerdings deutlich unter dem von Ph. aureosulcata ‚Aureocaulis’. Positiv überrascht hat Ph. nigra ‚Henonis’ – es gab nur wenige Blattschäden und ein paar erfrorene Halmspitzen.

Was lässt sich zusammenfassend über die anderen Phyllostachys sagen? Ph. aurea, Ph. nigra ‚Boryana’, ‚Megurochiku’ und ‚Punctata’, Ph. rubromarginata sowie Ph. spez. ‚Shanghai 3’ mussten zum Teil massive Halmverluste hinnehmen. Bei Ph. atrovaginata, Ph. glauca ‚Yunzhu’, Ph. humilis, Ph. parvifolia und Ph. propinqua waren Halmspitzen erfroren und es gab ziemliche Blattschäden. Insgesamt war der Neuaustrieb eher bescheiden.

Und sonst so

Insbesondere die relativ großblättrigen Bambusse lagen natürlich bei den Blattschäden weit vorne. Sensible Kandidaten wie Hibanobambusa tranquillans ‚Shiroshima’, aber auch Pseudosasa japonica und Semiarundinaria fastuosa waren oberirdisch ziemlich ruiniert – die beiden ersteren legten allerdings einen üppigen, wenn auch niedrigen Neuaustrieb hin. Nachdem Semiarundinaria fastuosa zum dritten Mal in Folge sehr starke Winterschäden davongetragen hatte (obwohl sie auf der Ostseite durch eine Mauer plus Fargesie geschützt stand) und der Neuaustrieb mit jedem Jahr entsprechend kraftloser wurde, haben wir die Pflanze ausgegraben, geteilt und in drei Töpfe gesetzt. Schauen wir mal, ob sie sich so besser entwickelt.

Apropos Töpfe: Ich will hier nicht noch auf alle Bambusse eingehen, die wir in Töpfen kultivieren, da diese im zeitweise geheizten Kalthaus überwintern. Nur so viel: Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen haben Borinda albocera Yunnan 2 und Chusquea culeou leider nicht überlebt.

Der dritte Bambus, den wir verloren haben, war ein Phyllostachys aurea – überraschenderweise die Pflanze, die bereits 2006 gesetzt wurde und die bisher immer recht gut durchkam. Wohingegen eine neue Pflanze, die erst im Herbst 2011 bei uns einzog, zwar ordentliche Schäden davon trug, aber diese gleich durch einen schönen, wenn auch niedrigeren Neuaustrieb wettmachte. Man muss sich immer wieder wundern.

Zukunftspläne

Welches Fazit ziehen wir nun nach den vergangenen drei Wintern? Was die Gattung Phyllostachys anbelangt, haben wir uns erst einmal fürs Abwarten entschieden. Einfach beobachten, wie sich die Pflanzen im Laufe der Jahre an ihren Plätzen entwickeln. Und sollte in einer Ecke des Gartens doch noch ein „vertikales Element“ fehlen, würden wir nach den bisherigen Erfahrungen in jedem Fall wieder auf Ph. aureosulcata zurückgreifen. Bis dato muss man sagen, dass Fargesien an unserem Standort deutlich zuverlässiger wachsen, da sie entspannter durch die Winterzeit kommen und entsprechend mit einem gleichmäßigeren Neuaustrieb aufwarten.

Aber so ganz ohne Bambusexperimente geht es natürlich doch nicht. Das nächste Versuchsfeld ist schon ausgemacht: die Gattung Borinda.

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