Spätsommerliebe

Es war nicht so richtig ihr Sommer … der harte Winter hat ihnen ganz schön zugesetzt … trotzdem sind sie auch diesmal wieder schön – wenn auch nicht so prächtig wie sonst … ein wenig zerzaust, aber dennoch beeindruckend mit ihren großen, wogenden Blütenwolken.

Helenium – eine Spätsommerliebe voll üppiger Dramatik und überbordender Wärme.

Das hängt maßgeblich mit den Farben zusammen, die dieser Korbblütler (Asteraceae) mit ausladender Geste in den Garten schleudert: Gelb, Orange, Rot, Burgunder – „Hot Colours“ wie die Engländer sagen.

Botanisches rund um die Sommer- und Spätsommerstaude

Die Sonnenbraut trägt ihren Namen zu Recht. Sie braucht volle Sonne und gut dränierte Böden. Dafür bedanken sich die ursprünglich aus Nord- und Mittelamerika stammenden Pflanzen mit einer überwältigenden Blühpower, je nach Art – und es gibt insgesamt gut 40 davon – vom frühen bis in den späten Sommer. Drei dieser Arten bestimmen das aktuelle Heleniumangebot: Helenium autumnale, Helenium bigelovii und Helenium flexuosum – Kultivare der ersteren finden häufig in Natur- und Präriegärten Verwendung.

Heleniumstauden wachsen in der Regel horstig. Sie haben verzweigte, belaubte Triebe mit wechselständigen, lanzettlichen Blüten. Die Mitte der Blüte ist hochgewölbt – in der Farbe Braun oder Gelb – und umstrahlt von einem Kranz von Zungenblüten mit breit auslaufenden Spitzen in den schönsten Sommerfarben.

Ältere Blüten ändern mit der Zeit ihre Farbe hin zu schwarz und sie biegen sich nach unten. Dadurch wird die kugelige Blütenmitte noch mehr betont – ein idealer Blickfang im Winter.

Es gibt inzwischen vielerlei Heleniumkultivare im Handel und es kommen immer neue hinzu. Die Forschungsanstalt für Gartenbau in Weihenstephan hat sich in Deutschland um die Sichtung der Helenium verdient gemacht. Zu der zwischen 2001 und 2004 durchgeführten Sichtung ist 2006 eine CD erschienen – Helenium in Sorten und Bildern. Die nationale Sammlung in England ist hier beschrieben.

Tipps, Tricks , Wissenswertes

Viele Züchtungen stammen aus Deutschland und den Niederlanden, was man schon den Namen entnehmen kann: Helenium „Baudirektor Linne“ (kräftig orange-rot, mit der Zeit ins kupferrote gehender robuster Kultivar, mit dem wir in unserem Garten ausgezeichnete Erfahrungen gemacht haben), „Flammendes Käthchen“, „Rauchtopas“ und „Königstiger“ sind nur einige der bekannten und beliebten Sorten. Weitere gibt es hier zu sehen.

Die Anzahl der Kultivare ist inzwischen so groß, dass man durch geschickte Pflanzenauswahl den ganzen Sommer bis weit in den Oktober hinein blühende Helenium im Staudenbeet bewundern kann. Bei der Beetkomposition ist der Blühkalender von Martin Hughes-Jones sehr hilfreich.

Helenium lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: Eine, die im Juni und Juli zur Blüte kommt und eine andere, die ab August blüht. Die frühblühenden Pflanzen, beispielsweise Helenium „Moerheim Beauty“, „Sahin’s Early Flowerer“ oder „Waltraut“, sind oft nicht so hoch gewachsen. Sie blühen aber mehrmals und werden durch regelmäßiges Ausschneiden von Verblühtem (englisch „Deadheading“) zu einer wiederkehrenden Blüte angeregt. Spätere, oftmals höhere Sorten, blühen meist im Juli, August und September. Diese schenken uns eine immer wieder beeindruckende Blütenwucht, reagieren aber leider nicht auf „Deadheading“ und blühen daher nur einmal. Aber dafür langandauernd.

Da Helenium es feucht mögen und auf Trockenheit mit verkahlenden Stängeln reagieren, kann dies vor allem bei höheren Sorten wie beispielsweise „Flammendes Käthchen“ (bis 1,25 m) und „Königstiger“ (bis 1,50 m) recht unschön aussehen. Daher empfiehlt es sich, im Staudenbeet auf eine kluge Staffelung der Pflanzen zu achten, sodass vor höheren Heleniumsorten idealerweise niedrigere Pflanzen stehen.  Oder man wendet die Technik des „Chelsea chop“ an: Heleniumpflanzen, die vorne im Beet stehen, werden im Mai um 10–15 cm gekürzt, dadurch bilden sie kleinere, aber verzweigtere Stauden, die die leider oft verwelkt wirkenden Stängel der höheren Exemplare im Hintergrund in der Blühphase verdecken.

Wenn die Pflanzen in der Mitte auskahlen, ist es Zeit, die Staude durch Teilung wieder zum Wachstum anzuregen. Tipps zum Teilen und einiges andere Wissenswerte gibt es hier. Oft findet man in der Literatur den Hinweis, die Stauden alle zwei bis drei Jahre zu teilen, um ihre Wüchsigkeit anzuregen. Wir orientieren uns hier allerdings weniger an diesem vielzitierten zeitlichen Rhythmus aus dem Lehrbuch als an unserem eigenen gärtnerischen Blick – wenn die Stauden in ihrer Mitte spärlicher werden, dann teilen wir sie einfach.

Beth Chatto zählt Helenium „Sonnenwunder“ zu ihren 100 Must Have Plants (Gardens Illustrated, Februar 2012), denn Helenium seien nicht nur im Garten eine Pracht, sondern blühten auch in der Vase über Wochen. Dies liest man in der Tat immer wieder. Wir können das leider nicht bestätigen und lassen die Blüten inzwischen lieber im Garten ihre Wirkung entfalten. Denn dort freuen nicht nur wir uns am üppigen Blütenmeer, sondern auch zahlreiche Bienen und Schmetterlinge.

Literatur:
Royal Horticultural Society, Die große Encyclopädie (Hrsg. Graham Rice)
Martin Hughes-Jones: The Garden, August 2012, Soaking up the sun,  S. 36
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