Wiesen – natürlich!

Der Rasen, er ist eine optische Ruheinsel. Eine Ruheinsel, die einer farbenfrohen und formenreichen Gartenkomposition oft die entscheidende letzte Dramatik gibt. Hier kann das Auge des Betrachters still werden. Es kann sich erholen von botanischer Vielfalt, von blühender Üppigkeit, von reizvollem Farbspiel. Der Rasen hat eine hochwillkommene Pausenfunktion im Garten.

Leider haben diese meditativen grünen Flächen kaum einen ökologischen Wert. Zudem ist eine intensive Pflege notwendig, will man sie in einem akzeptablem Zustand halten, der sich dem berühmten englischen Rasen auch nur ein wenig annähert. Rasenflächen gehören zu den pflegeintensivsten Bereichen im Garten.

Ganz anders die Wiese. Sie ist der Kontrapunkt zum Rasen.

Ein Rasen – und das ist ja gerade seine Stärke – sieht immer gleich aus. Die Wiese verändert ihr Erscheinungsbild permanent. Über das Jahr hinweg wechseln Farben und Formen ständig, über die Jahre ändert sich die Zusammensetzung der sie besiedelnden Arten. Eine Wiese ist ein wunderbarer Mikrokosmos: nachhaltig, dynamisch, lebendig, aufregend.

Aber bei all der Dynamik trägt auch sie eine Form der Stille in sich, die Marie-Luise Kreuter als „summendes Schweigen“ bezeichnet: Hier wogt und raschelt es, hier summt, brummt und zirpt es. Eine Wiese konzertiert ihre ganz eigene Geräuschkulisse: Laute Stille.

Wiesen bieten vielen Tieren Schutz und Nahrung. Daher sind sie geradezu ein Muss in einem naturnah angelegten Garten. Verbunden damit ist leider auch das unausgesprochene, aber fast körperlich spürbare „Betreten verboten“, das wie ein Schutzschild über diesen Flächen hängt. Nur dadurch kann die Wiese wirklich zu einem Areal für Tiere heranwachsen.

 

Diesem den Menschen zunächst ausgrenzenden Umstand verdanken wir eines der schönsten Gestaltungselemente im Garten: den gemähten Pfad durch die Wiese – manchmal von großzügiger Breite, manchmal ganz schmal und eng, sodass wir beim Gehen an den überhängenden Gräsern vorbeistreichen: „A path mown through long grass is one of the most romantic garden features.“ Noel Kingsbury hat ja so recht.

Fortsetzung folgt …

Literatur:
Marie-Luise Kreuter, Der Biogarten
Noel Kingsbury, Natural Garden Style

 

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