Wilde Lupinen

Zunächst war da nur eine. Sie war blau. Wuchs einfach irgendwo. Wir fanden sie hübsch und pflanzten sie um. An ein Plätzchen, wo sie uns besser gefiel und wo sie sich ausbreiten konnte, wenn sie wollte. Sie wollte. Und wie.

Jetzt gibt es Bereiche in unseren wilden Wiesen, die übersät sind mit Lupinen. Inmitten all der wogenden Gräser sind die eleganten lanzettenartigen Teilblättchen und die imposanten blauen Blütendolden ein echter Hingucker.

Lupinen begeistern mich schon im frühen Frühjahr, wenn sich die zarten handförmigen – ja, es heißt tatsächlich so – Blätter durch das erste Wiesengrün hindurchschmeicheln. Und es vergeht kein Tag, an dem meine Faszination nicht weiter wächst. Manchmal stehen die einzelnen Blättchen wie in einer Krone zueinander. Dann wieder legen die Blätter sich fächerartig übereinander und bilden eine Art Schutzschild. Was sie wohl beschützen?

Die Blütendolden, die zunächst ganz unscheinbar unter den Blättern stehen und sich dann geradezu explosionsartig emporrecken?

 Bis zu 50 cm Höhe können diese majestätischen Blüten erreichen.

Die Gattung, die Arten
 und ihr Vorkommen

Die Lupine gehört innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae oder Leguminosae) zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae).

Sie wird in zwei Untergattungen gegliedert: Lupinus platycarpos und Lupinus. Der Subgenus Platycarpos hat flache Hülsenfrüchte und ist ursprünglich auf dem amerikanischen Kontinent beheimatet (südliches und westliches Nordamerika). Die Hülsenfrüchte des Subgenus Lupinus sind hingegen nicht flach und die Pflanzen kommen im Mittelmeerraum und in Afrika vor.

Insgesamt gibt es nach Hughes über 280 Arten, die Taxonomie ist ausgesprochen vielfältig. Der Subgattung Platycarpos werden ca. 270 Arten zugerechnet, der Untergattung Lupinus elf.

Wir beherbergen im unserem wilden Garten die hierzulande am häufigsten vorkommende Lupinus polyphyllus, die Vielblättrige Lupine aus der Subgattung Platicarpos. Es ist die klassische Bauerngarten-Lupine. Unsere war eines Tages einfach da.

Botanische Beschreibung


Lupinus polyphyllus ist eine mehrjährige Staude und kann bis 120 cm hoch werden, wobei alleine die Blütendolde bis zu 50 cm der Höhe ausmacht. Sie blüht von Juni bis September. Bei uns startete die Blühsaison in diesem Jahr sogar schon im Mai. Die Blätter der Vielblättrigen Lupine sind in neun bis 17 lanzettlich-spitze Blättchen unterteilt. Die Behaarung ist anliegend. Die Blüten sind meist blau, selten weiß. Sie riechen leicht pfeffrig. Böschungen und Lichtungen werden von den Pflanzen bevorzugt.

Die nachhaltigsten Züchtungen innerhalb der Lupinus polyphyllus sind die nach ihrem Züchter benannten Russel-Hybriden. Diese bieten eine große Farbpalette für das Staudenbeet. Allerdings sind sie meist kurzlebig. Nach ungefähr fünf Jahren verlieren sie ihre Kraft. Die Lupine wird gerne über Stecklinge vermehrt oder einfach mit Samen in die Erde gebracht. Wer sich für weitere botanische Details oder die bunte Vielfalt der ausdrucksstarken Russel-Hybriden und andere Züchtungen interessiert, der sei verwiesen an: Stauden. Die große Encyclopädie der Royal Horticultural Society.

Während der Wachtumsphase sind die Pflanzen empfindlich gegenüber Trockenheit. Das konnten wir im vergangenen Jahr erleben: Kaum eine unserer Lupinen kam nach dem extrem niederschlagsarmen Frühjahr zur Blüte, da wir unsere Wiesen nicht bewässern.

Mehrwert

In unseren Gärten ist die Lupine beliebt, als Wildblume an sonnigen Wiesenhängen ist sie nicht wegzudenken. Darüber hinaus kommt sie aber auch in der Landwirtschaft als Gründünger zum Einsatz. Denn Lupinen reichern den Boden mit Stickstoff an. Dies geschieht durch eine symbiotische Verbindung mit stickstoffbindenden Knöllchenbakterien an den Wurzeln. Zudem verbessert die Pflanze mit eben diesen sehr kräftigen Wurzeln den Boden für Folgekulturen. Auch als Nahrungsmittel werden Lupinen vermehrt genutzt.

Unser kleines Schätzchen

Ein Kleinod in unserer botanischen Sammlung ist eine Lupinus arboreus. Ursprünglich stammt dieser Lupinenbusch aus Kalifornien.

Dort ist er natürlicher Teil der Strauchvegetation der Küsten und Sanddünen und kann in geschützten Lagen bis zu 2 Meter hoch werden – daher auch der Name Baumlupine. Normalerweise erreicht diese Staude jedoch eher eine Höhe von 1 bis 1,5 Metern. Die Blätter sind grüngrau und in fünf bis zwölf Teilblättchen aufgefächert. In der Regel blüht die Baumlupine gelb, aber auch lilane Formen sind bekannt.

Leider toleriert diese Lupinenart im Winter nur Temperaturen bis minus 12 Grad und Schnee kann sie gar nicht leiden. Wir haben unsere im Topf lebende Baumlupine der kleinen Gärtnerei des wunderbaren Gartens von Cothay Manor zu verdanken.

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2 Kommentare zu Wilde Lupinen

  1. Head Gardener sagt:

    Hallo Gabi,

    das Problem mit dem Umknicken kennen wir tatsächlich bei unseren wilden Lupinen gar nicht, obwohl sie absolut nicht windgeschützt stehen und schon mal eine steife Brise abkriegen. Höhere Hybridformen sind hier sicher anfälliger. Je nach Gartenstil eignen sich Weidenelemente sehr schön zum Abstützen, da man sie in verschiedensten Formen zwischen die Pflanzen oder über eine Pflanze stellen kann. Ein geschütztes Plätzchen für sehr hohe Exemplare reduziert das Risiko weiter.

    Welke Blüten vor dem Samenansatz zu entfernen macht auf jeden Fall Sinn – es sei denn, man möchte langsam aber sicher den Garten in ein Lupinenmeer verwandeln. Das regt die Pflanze auch zu einer zweiten Blüte im Spätsommer an, die aber in der Regel nicht ganz so üppig ausfällt wie die erste.

    Viel Spaß mit diesen schönen Pflanzen und beste Grüße

  2. Gabi sagt:

    Lupinen sind wirklich schöne Pflanzen! Was für eine Stütze kann ich denn nehmen, damit die Halme nicht umknicken? Hab letztes Mal Draht genommen, der ist allerdings mitumgeknickt ;( Stimmt es eigentlich, dass ein Rundum-Rückschnitt eine zweite Blüte im Herbst fördert? Habe ich hier gelesen: http://www.lenas-tulpenbaum.de/lupinen-die-bluhenden-alleskonner.html

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