Septembergarten

Während wir uns vergangenes Jahr um diese Zeit noch über Trockenheit (und andere Torturen) beklagt haben, können wir über mangelnden Regen in diesem Sommer nun wirklich nicht meckern. Aber das hat ja auch sein Gutes: Bäume, Stäucher, Stauden und – allen voran! – Bambus ließen 2017 im Garten einen ordentlichen Satz – nach oben und in die Breite. Also schon mal Notizen für frostfreie Wintertage machen, wo überall Aufasten, Rückschnitt oder gar vollständiges Eliminieren (ich denke da an kränkelnde junge Kopfweiden und unpassend – wahrscheinlich „vogelinduziert“ – platzierte Traubenkirschen) angesagt ist.

Immerhin ist es uns gelungen, eine Phase, in der das hohe Gras nicht völlig durchnässt war, zu nutzen, zwei Wiesenbereiche mittels Balkenmäher und Motorsense runter zu schneiden. Die nächste Herausforderung besteht nun darin, erneut zeitnah einen passenden Slot für ein schönes Mäh-Finish mit dem Aufsitzer zu erwischen, damit die Flächen nicht ganz so unegal abgefressen aussehen. Ob das klappt?

Was war sonst noch los im Septembergarten? Fangen wir wieder mit einigen tierischen Gästen an.

An einem – nur mit einem Hauch von Wolken versehenen – Sonnentag besuchte uns eine weibliche Vertreterin der Gemeinen Heidelibelle und ließ sich für ein viertel Stündchen auf einem Gartenstuhl nieder

In den Staudenbeeten finden die Insekten immer noch reichlich Blüten für die Nahrungssuche, zum Beispiel an der Sedum-telephium-Hybride ‚Herbstfreude’

Und natürlich an den Staudensonnenblumen: hier eine Ackerhummel an Helianthus ‚Lemon Queen’

Ein engagierter Spätsommer- und Herbstblüher ist auch der Buschklee. Mit seinen langen überhängenden Zweigen verschönert er Böschungen und Mauern – oder er webt sich wie Lespedeza thunbergii auf dem Bild in ein Gräsermeer aus Panicum virgatum ‚Shenandoah’ und Calamagrostis brachytricha

Meine Begeisterung für die Blütenfontänen dieser wertvollen Insektennährpflanzen führte diesen Monat gleich zu einer Neuerwerbung: Bei einem Besuch in der fantastischen Gärtnerei „De Hessenhof“ von Hans Kramer in den Niederlanden mussten – unter anderem, versteht sich – unbedingt noch zwei Lespedeza thunbergii ‚Gibraltar’ mit. Die ursprünglich in den USA entdeckte Sorte soll besonders wüchsig sein. Ich bin gespannt! Buschklee kommt mit trockenen, nährstoffärmeren Böden gut zurecht, was bei uns in der Heide ein weiterer Pluspunkt ist – nun gut, nicht gerade in diesem Jahr. Winterschutz im Wurzelbereich nicht vergessen. Ein starker Rückschnitt im Frühjahr führt zu üppigem Neuaustrieb und beseitigt erfrorene Zweige. Die Pflanze blüht an diesjährigen Trieben

Ebenfalls einen hohen Zierwert hat der Chinesische Blumen-Hartriegel – und zwar über Monate. Das erste Saisonhighlight von Cornus kousa var. chinensis sind seine jeweils von vier strahlenden weißen Hochblättern umgebenen kleinen Blütenköpfchen, deren schiere Masse den ganzen Baum im Juni für einige Wochen in einen echten Hingucker verwandelt. Dem weißen Spektakel folgen reizende rosarote Früchte, die an Erdbeeren oder Himbeeren erinnern. Aber damit nicht genug: Das leuchtend rot gefärbte Herbstlaub sorgt zum Ende des Jahres noch einmal für Aufsehen

Mit prächtiger blutroter Herbstfärbung punktet ebenfalls Parthenocissus quinquefolia ‚Engelmannii’. Die Jungfernrebe erklimmt mit ihren kleinen Haftscheiben ganz selbstständig und ohne zerstörerische Nebenwirkungen Mauern, Fassaden oder was sonst noch so vertikal in ihre Nähe kommt. Bei ‚Engelmannii’ sind die Haftscheiben besonders gut ausgeprägt – Sturmböen muss jedoch auch diese Sorte ihren Tribut zollen (jedenfalls wenn man auf den ergänzenden Support in Form eines Klettergitters verzichtet hat). Was aber durchaus seinen Reiz haben kann, so ein windzerzaustes Gewirr herabhängender, farbenfroher Girlanden

Würde man jetzt vielleicht beim Thema Herbstfärber nicht als Erstes drauf kommen – und ist gerade deshalb mal eine Erwähnung wert: Forsythia x intermedia ‚Lynwood’. Während Forsythien (zu Recht!) in kaum einem Beitrag über attraktive Frühjahrsblüher fehlen, sind sie für den Rest des Jahres im gärtnerischen Bewusstsein eher ganz unten verschüttet. Zu Unrecht, zumindest was die Sorte ‚Lynwood’ anbelangt. Denn sie zaubert eine breite Farbpalette von lichtem Gelb über Rosétöne bis hin zu dunklem Violett auf ihre Blätter – und sich selbst damit wieder ins freudig-überraschte Auge des Betrachters

Definitiv in keiner Jahreszeit zu übersehen: Bambus. Zum Abschluss daher wenigstens noch ein Blick auf unser geliebtes Riesengras, welches sich inzwischen bei den Vögeln als 1a-Nistplatz, Schlechtwetterunterstand und Schlafdomizil – gerne auch als Mehrbettunterkunft von ganzen Kolonien genutzt – rumgesprochen hat. Auf diesem Bild von links nach rechts: Fargesia rufa (also einige Zentimeter der inzwischen sechs Meter Breite einnehmenden Pflanze. Dazu mehr in einem der nächsten Posts. Überhaupt: Bambus kommt hier seit einiger Zeit echt zu kurz), Phyllostachys nigra ‚Boryana’, Hibanobambusa tranquillans ‚Shiroshima’, Fargesia murielae ‚Standing Stone’ und Fargesia spez. ‚Jiuzhaigou 1’

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