Zeigt Rückgrat: Chinaschilf

Gräser sind ja bekanntlich ein wichtiges Thema im Wilden Garten. Es gibt wahrscheinlich keine Blickrichtung bei uns, von der aus man gucken kann, ohne auf ein Exemplar dieser großen Pflanzengruppe zu stoßen. Auch wenn wir den Rasen ausblenden. Und natürlich die wilden Wiesen, in denen sich ebenfalls viele Arten tummeln.

Für diese Omnipräsenz sorgen nicht nur die zahlreichen Vertreter unserer dominanten Strukturpflanze: Bambus. Auch aus dem – inzwischen erfreulich großen – Angebot an anderen attraktiven Gräsern haben einige den Weg in die Beete gefunden. Los ging es mit einem der beeindruckendsten Süßgräser für unsere Breiten: Miscanthus.

Miscanthus x giganteus hat sich zu stattlichen Horsten von gut drei Metern Höhe gemausert.

Als erstes fiel unsere Wahl auf eine der größten Spezies der Gattung, das Riesen-Chinaschilf Miscanthus x giganteus. Eine wunderbare Pflanze mit schönem Habitus – oft als wasserfallartig beschrieben –, die einen perfekten Beethintergrund oder Raumteiler abgibt. Ihre Üppigkeit lässt sofort einen Hauch von „Dschungelfeeling“ aufkommen. Apropos üppig: Man sollte den Platz für das Gras nicht zu knapp bemessen. Es wächst zwar horstig – aber die Horste gehen doch tüchtig in die Breite. Da sie nach einigen Jahren zudem beginnen, innen etwas zu verkahlen, bietet es sich dann an, die Pflanze im Frühjahr vor dem Neuaustrieb aufzunehmen und zu teilen. Achtung: schweißtreibende Arbeit!

Mit Glück bzw. einer ausreichend langen Vegetationsperiode kommt Miscanthus x giganteus auch bei uns zur Blüte. Hier in der Nordheide allerdings bei Weitem nicht jedes Jahr.

Trotz seiner enormen Wuchsleistung ist Miscanthus x giganteus erstaunlich anspruchslos und recht trockenheitsverträglich. Im frühen Frühjahr sieht man sich jährlich mit einem ordentlichen Berg an Biomasse konfrontiert, wenn es heißt, die alten Halme abzuschneiden, die den Winter über noch ein tolles Strukturgerüst im Garten bieten. Wir verwenden die geschredderten Halme als pH-neutrales Mulchmaterial, dessen helle Farbe die Frühlingsbeete freundlicher aussehen und besser zur Geltung kommen lässt als das Braun von Rindenmulch oder nackter Erde. Auch als kompostierbare Einstreu, beispielsweise im Hühnerstall, bietet es sich an.

Die Blüten von Miscanthus sinensis ‚Gracillimus’ erscheinen ebenfalls sehr spät im Jahr – wenn überhaupt. Das tut der Schönheit des Chinaschilfs aber keinen Abbruch.

Eine große Sortenvielfalt gibt es bei Miscanthus sinensis, dem klassischen Chinaschilf. Sieben Sorten davon stehen zurzeit bei uns im Garten:

Sehr elegant mit feinen Blättern kommt Miscanthus sinensis ‚Gracillimus’ daher. Das Gras bereichert jede Staudenrabatte und bleibt auch nach Sturmböen zuverlässig aufrecht.

Dank früherer Blüte begeistert Miscanthus sinensis ‚Malepartus’ alljährlich mit seinen großen roten Blütenständen, die später silbern werden.

Eine wunderschöne Auslese von Erst Pagels ist Miscanthus sinensis ‚Malepartus’. Die wüchsige und standfeste Sorte ist ein mächtiger Hingucker, der bei uns eine Höhe von rund 2,30 Metern (mit Blüten) erreicht. Seine tollen Blütenrispen setzen glänzend kupferrote Akzente, die nach einigen Wochen zu Silbergrau wechseln. Was wiederum einen wunderbaren Kontrast zur oft orange- und goldgelben Herbstfärbung der Blätter bildet. Einer unserer absoluten Favoriten im Wilden Garten.

Raureif verzaubert die Blüten von Miscanthus sinensis ‚Malepartus’.

Attraktiv bis in den März hinein: Bei Miscanthus sinensis ‚Malepartus’ fällt das Abschneiden der alten Halme richtig schwer.

Bisher leider nicht so überzeugend gedeihen bei uns zwei Exemplare von Miscanthus sinensis ‚Morning Light’. Was super schade ist, zählt doch auch diese Sorte wie ‚Gracillimus’ zu den besonders eleganten Vertretern ihrer Art. Ich hoffe sehr, dass sie sich in den nächsten ein, zwei Jahren noch berappeln, sonst versuchen wir es mit einem Standortwechsel.

Schwer tut sich im Wilden Garten zudem noch die Ernst-Pagels-Züchtung Miscanthus sinensis ‚Sirene’. Der Standort ist relativ trocken, das fördert natürlich nicht gerade ein üppiges Wachstum. Auch hier gilt: noch ein, zwei Jahre beobachten und dann ggf. umsiedeln.

Mit rund 1,60 Metern Höhe ist Miscanthus sinensis ‚Silberfeder’ bei uns ein hübscher, aber nicht dominanter Blickfang im Beethintergrund.

Die Chinaschilf-Blühsaison startet im Wilden Garten jeden Sommer mit der von Hans Simon stammenden Auslese Miscanthus sinensis ‚Silberfeder’. Ihre Blüten wechseln von zartem Rot rasch zu Silber, die Blätter changieren dazu im Laufe der Wochen von Grün über Rostrot zu Goldgelb.

Miscanthus sinensis ‚Strictus’ im Gegenlicht mit den typischen hellen Querstreifen.

Deutlich später dagegen – und eher selten – kommt Miscanthus sinensis ‚Strictus’ zur Blüte. Das Gras ist auch als Stachelschweingras bekannt und der Name passt tatsächlich perfekt zum sehr aufrechten Habitus der Pflanze, deren quergestreifte Blätter einen an die aufgerichteten Stacheln des namengebenden Nagetiers erinnern.

Blühte 2014 zum ersten Mal: Miscanthus sinensis ‚Strictus’

Ein echter Eyecatcher ist Miscanthus sinensis ‚Variegatus’, der mit seinen weißen Längsstreifen im Blatt wunderschöne und voluminöse helle Akzente ins Beet zaubert. Die alte Sorte ist bei uns eine der wüchsigsten und so konnten wir durch Abstechen ausufernder Horstränder bereits einige neue Pflanzen gewinnen. ‚Variegatus’ kam im Wilden Garten im Dezember 2014 erstmals zur Blüte. Das ist aber kein Manko, denn die Sorte entfaltet ihre tolle Wirkung auch ohne Blüten einfach durch die gestreiften Blätter.

Miscanthus sinensis ‚Variegatus’

 

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