Der Ich-schaffe-was-ich-kann-Garten

„Man rechnet etwa mit einer Stunde Gartenarbeit pro Quadratmeter im Jahr.“ So viel Zeit nimmt laut Udo Weilacher in dem ZEIT-Interview „Das Stiefmütterchen wird diffamiert“ ein gepflegter Garten in Deutschland in Anspruch. Klar ist das nur eine Faustregel. Aber eine, die es in sich hat.

Mich jedenfalls hat sie umgehauen. Ich habe natürlich gleich mal angefangen zu rechnen – das Ergebnis war niederschmetternd und extrem beruhigend zugleich. Denn nach dieser Formel fallen für einen Garten unserer Größe täglich rund 14 Stunden Gartenarbeit an. Nun, wir sind zu zweit. Macht für jeden sieben Stunden täglich. Zwei Fulltimejobs also. Urlaub und Wochenenden fallen übrigens aus. Schließlich lebt man ja mit und an seinem Sehnsuchts- und Entspannungsort …

Seit ich diese Zahlen kenne, bin ich total relaxed. Nun weiß ich endlich, warum unser Garten genau so aussieht wie er aussieht, mit all seiner Wildheit, Üppigkeit und mit den vielen Ecken, an denen man schon längst mal wieder etwas tun müsste und einfach nicht hinterherkommt. Und das leider oft wochenlang. Denn Gärtnern findet bei uns ausschließlich in der Freizeit statt. Daher muss der Garten oftmals sehen, dass er alleine klar kommt. Und das macht er gut. Sehr gut sogar. Seit ich weiß, dass ich bis zur Rente warten muss, bis wir hier faustregelige Gartenperfektion erleben dürfen, bin ich so was von entspannt,  finde unseren Garten gerade jetzt besonders schön und erfreue mich an wunderbaren Pflanzenbildern in wildem, gepflegt-ungepflegtem Ambiente.

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Ein Kommentar zu Der Ich-schaffe-was-ich-kann-Garten

  1. Torsten sagt:

    Nachdem ich den Artikel gelesen hatte, habe ich auch erst einmal gerechnet. Unser Garten ist zwar nicht so groß, aber soviel Zeit steht mir für die Gartenarbeit auch nicht zu Verfügung. Außerdem soll der Garten ja Spaß machen und nicht zur Verpflichtung werden. „Wild Gardening“ trifft es schon sehr gut 🙂

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