Heiß und trocken – Hochsommer im Mai

Da wähnten wir uns im Mai 2017 schon tagelang im Hochsommer und nun das: Seit dem 01. Mai 2018 fiel bei uns kein Tropfen Regen mehr, stattdessen brennt die Sonne – oft bei Temperaturen über 25 Grad – auf Pflanzen und Erde. Gekrönt wird das Ganze noch durch ordentlich frisch-böigen Ostwind. Also echter Stress fürs Grün. Erholung gibt es nur in den Nachtstunden, wenn der Temperaturabfall wenigstens ab und zu für etwas Tau sorgt.

Aber trotz der herausfordernden klimatischen Bedingungen halten sich die meisten Pflanzen erstaunlich tapfer – unterstützt durch mitfühlende abendliche Gießorgien unsererseits. Und apropos Abend: Das ist natürlich echter Luxus, wenn man bei diesem Wetter – der Wind legt sich bei uns dann meist – bis 23 Uhr (oder später) entspannt draußen den Garten genießen kann. Wer weiß, was der Sommer bringt.

Das Frühjahr brachte diesmal auf jeden Fall einen wahren Blütenreigen: Nicht nur Flieder, Ginster, Cornus, Wisteria und sämtliche Viburnum-Arten liefen zur floralen Hochform auf. Auch die Zier-Äpfel wie Malus ‚Evereste’ begeisterten uns mit ihrer großen Blühfreude
Und nicht nur uns. Bei Biene und Co. stehen die Pollenlieferanten genauso hoch im Kurs
Ein guter Futterspender für Insekten ist zudem Viburnum lantana, der Wollige Schneeball: Den pollenreichen Blüten – deren Duft allerdings gewöhnungsbedürftig ist – folgen hübsche rote, später dunkelblaue Früchte, die auf dem Speiseplan vieler Vögel stehen. Der große Strauch punktet darüber hinaus mit Robustheit und Anspruchslosigkeit, was den Standort anbelangt. Trockenheit und Wind lassen ihn kalt, und auch mit unserem Sandboden kommt er bestens klar
Auf unseren Wiesen tanzt das zarte Violett des Wiesen-Schaumkrauts (Cardamine pratensis) über dem Gras. Jetzt, zum Ende des Monats, mutiert das Grasgrün allerdings immer mehr zu sonnenverbranntem Heu – denn gesprengt wird hier nicht
Wendet man den Blick dann vom Gras nach oben zur Walnusskrone bleibt das Auge überrascht hängen. ENDLICH ist es soweit: Juglans regia zeigt nach 14 Jahren zum ersten Mal männliche Blütenstände
Über die weiblichen Blüten konnten wir uns bereits seit 2015 freuen. Ob wir in diesem Jahr vielleicht schon Früchte sehen? Man darf ja hoffen
Der nächste Baum im Blickfeld, eine Sumpfeiche, findet meist aufgrund seiner fantastischen Herbstfärbung Erwähnung – aber die stark gezähnten Blätter von Quercus palustris sind auch im Frühling ein Hingucker. Die Sumpfeiche verträgt zwar wochenlang vernässte Böden, ist aber auch an ihrem eher trockenen Standort bei uns erstaunlich wüchsig – und das als Flachwurzler
Von den Bäumen zurück in die Beete: Die Gewöhnliche Nelkenwurz (Geum urbanum) mit ihren kleinen gelben Blüten fühlt sich in einigen Ecken unseres Gartens wohl, der Zierwert von Geum coccineum ist dank des kräftigen Oranges und der größeren Blüten deutlich höher
Im Schatten von Corylus avellana ‚Contorta’ samen sich Akelei und die Falsche Alraunwurzel (Tellima grandiflora) tüchtig aus. Die hübschen Blattrosetten von Tellima grandiflora sind wintergrün. Jetzt im Frühling erscheinen die an hohen Stängeln stehenden Blüten in endständigen Trauben
Noch ein Blühwunder dieser Saison: unsere Hecke aus Prunus laurocerasus. Die Sorte ist leider unbekannt. Blüten und Früchte sind gute Nahrungsquellen für Insekten und Vögel – wobei Letztere das Gehölz auch gerne als Nistplatz nutzen
Zum Schluss des Gartenrundgangs noch ein Blick in die Tiefen eines Blatttrichters von Matteuccia struthiopteris. Die später im Sommer (also im richtigen kalendarischen) erscheinenden kürzeren, dunkelbraunen, fertilen Wedel sind noch nicht zu sehen. Der Straußfarn hat sich über kriechende Rhizome – sicher motiviert durch die benachbarten Bambusse – trotz nicht ganz optimaler Bodenverhältnisse (lieber wäre ihm ein feuchterer, humusreicherer Grund) schon zu einem ansehnlichen Bestand ausgebreitet
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Von braunen Blättern und bunten Blüten

Da hat uns der März grad unmissverständlich klargemacht, dass man sich bitte schön definitiv nicht VOR dem kalendarischen Ende einer Jahreszeit über ihren schlussendlichen Verlauf freuen sollte. Schon keimt wieder Hoffnung auf: Haben wir vielleicht in diesem Jahr endlich mal Glück – und bleiben tatsächlich von fiesen, heimtückischen Spätfrösten verschont!? Kein hysterisches Schnuppern an den Katsurabäumen (Cercidiphyllum japonicum), ob die vorwitzig früh austreibenden, herzförmigen Blätter etwa nach Lebkuchengewürz duften? Denn das wäre ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Temperatur unter den Nullpunkt gerutscht ist. Kein Totalverlust der wunderbar üppig angesetzten Wisteria-sinensis-Blüten, bevor sie auch nur die Chance auf das Öffnen ihrer Knospen hatten?

Die Möglichkeit besteht: Der April hat diesmal bei uns auf seine gern genommenen Wettereskapaden verzichtet (die eine Woche Sommer werten wir natürlich nicht als Eskapade!) und durch den kühlen Frühjahrsstart haben sich alle Pflanzen mit zu euphorischem Frühaustrieb zurückgehalten. Aber klar: Die Eisheiligen hängen noch wie ein Damoklesschwert über ihnen. Da ist noch alles drin. Wenn auch die Prognosen zurzeit ja ganz gut aussehen. Es könnte also klappen …

Lassen wir das Spekulieren und werfen noch mal einen kurzen Blick zurück auf das Bambusdesaster. Beim Aufräumen zeigte sich, dass insgesamt sechs Halme von Phyllostachys aureosulcata ‚Aureocaulis’ und fünf Halme von Phyllostachys vivax ‚Huangwenzhu’ – darunter Exemplare von 8,60 Metern Länge – vom stürmisch-böigen Ostwind aus der Erde gehebelt wurden.

Hat Opfer gefordert: Statt aufrecht stolz in den Himmel zu ragen, werden die vom Ostwind quasi gefällten Halme aufgeastet und zur späteren Verwendung unterm Schuppendach deponiert
Das gab es auch noch nie bei uns: Selbst der super robuste Phyllostachys bissetii musste ordentlich Blattschäden einstecken

Erfreulicherweise wird der traurige Anblick der braunen Blätter nun aber täglich durch immer mehr sprießendes Grün und bunte Blütenpracht wettgemacht.

Unter den großen Eichen setzen die außen mit einem leichten Rosé-Hauch überzogenen Blüten von Anemone blanda ‚White Splendour’ fröhliche Lichtpunkte im vom Herbst verbliebenen Laub
Anemone nemorosa öffnete ihre strahlend weißen Blüten nur wenige Tage später
Apropos später: Gut eine Woche später als im vergangenen Jahr konnten wir die zahlreichen schwebenden Blütensterne von Magnolia x loebneri ‚Leonard Messel’ bewundern
Und die von Magnolia stellata
Kein Frühling ohne Gelb: Unsere Narzissen in der Wiese entwickeln sich langsam, aber stetig
Der Blick Richtung Feld. Zum Verwildern haben wir Narcissus ‚Carlton’ und N. ‚Ice Follies’ gewählt
Jedes Jahr kommen neue Drifts hinzu
Auch mit Blättern kann man gelbe Highlights setzen: Hier strahlt die Blasenspiere Physocarpus opulifolius ‚Dart’s Gold’ im Sonnenschein
Durch das mit zarten Blüten durchwirkte Geäst von Amelanchier lamarckii leuchtet das satte Gelb von Forsythia x intermedia ‚Lynwood’

Charmante Mitglieder des Frühjahrs-Blühensembles sind zudem die Frühlings-Platterbsen. Mit ihren reizenden Schmetterlingsblüten haben sie vor zwei Jahren unsere Herzen erobert und sind in die Staudenbeete gezogen, wo sie im Vordergrund zuverlässig für Farbe sorgen.

Aus den Niederlanden stammt die Sorte ‚Purper’ von Lathyrus vernus
Lathyrus vernus ‚Blaulichter’ setzt einen kühleren Akzent ins frische Grün
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Zu früh gefreut!

Ersetze Fragezeichen durch Ausrufungszeichen – und schon passt der Titel unseres Februar-Posts für den März. Denn leider traf die Wettervorhersage für Anfang des Monats voll ins Schwarze. Dauerfrost bei Nachtwerten unter minus 12 Grad, herrlicher Sonnenschein mit steifem Ostwind: Das konnte nicht ohne üble Folgen für unser Riesengras bleiben. Nicht nur verbrannte, vertrocknete Blätter sind zu beklagen. Die Sturmböen schafften es sogar, einzelne Phyllostachys-Halme aus der Erde zu reißen und derart auf dem Boden zu arrangieren, dass wir uns mit ungläubigem Staunen fragten: Wie kommen die denn da hin? Das endgültige Ausmaß des Dramas wird man erst im Frühsommer sehen. Dann zeigt sich, welche Halme einen Blattneuaustrieb schaffen und welche es doch zu heftig erwischt hat. Bis es so weit ist, rieseln noch üppige Mengen beiger Bambusblätter zu Boden.

Die großen Blätter von Phyllostachys vivax ‚Huangwenzhu’ leiden unter dem bambusunfreundlichen Wetter
Grün mutiert zu Beige
Nicht alle Blätter werden fallen, aber schön ist anders
Auch an einigen Halmen sieht man Frostschäden
Zeigt ebenfalls deutlich sein Missfallen an dem Wetter: Phyllostachys nigra ‚Megurochiku’
Dito Pseudosasa japonica
Schäden am hübsch panaschierten Laub von Hibanobambusa tranquillans ‚Shiroshima’ (vorne links) halten sich noch in Grenzen, da er recht geschützt steht. In der Mitte erkennt man, dass es auch Phyllostachys spez. ‚Shanghai 3’ erwischt hat. Total unbeeindruckt von den meteorologischen Strapazen ist hingegen Fargesia rufa (rechts im Bild) – und das, obwohl sie den für viele Fargesien typischen Schutzmechanismus des Blatteinrollens nicht aufweist

Zum Glück bot sich gegen Ende März die Gelegenheit, mit dem finalen Rückschnitt der Stauden und Gräser zu beginnen (und die Teepausen im Gartenstuhl zu genießen), bevor die irgendwann dann hoffentlich mal stärker ansteigenden Temperaturen dafür sorgen, dass der Neuaustrieb in die Vollen geht. Schneeglöckchen und Krokusse machen ja zum Glück durch ihre Blütenpracht auf sich aufmerksam – so tritt man sie beim Werkeln in den Beeten nicht versehentlich platt.

Die farbenfrohen Blüten der Krokusse erfreuen nicht nur uns

Nachdem nun die Sommerzeit die Gartenarbeit schon bis in den frühen Abend hinein möglich macht, warten wir jetzt noch auf etwas mehr Wärme. Doch von wegen: Kurz vor Ostern verwandeln 19 l Nassschnee noch mal alles in ein weißes Winterwunderland. Und so heißt es auch am Monatsende: zu früh gefreut!

Kräftiger Schneefall hält den Kleiber nicht davon ab, von seinem bevorzugten Wisteria-sinensis-Zweig energisch kundzutun: Das hier ist MEIN Revier
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Zu früh gefreut?

Nachdem wir uns in den vergangenen Monaten ja andauernd über zu viel Regen und viel zu wenig Sonne beklagt haben, hatte der Februar nun endlich ein Einsehen: Lediglich 21 Liter Niederschlag vielen vom Himmel – und das meist in Form von schönem Schnee. Dazu zahlreiche Sonnenstunden, die zu Spaziergängen durch den Garten einluden. Das Ganze bei moderaten Nachtfrösten (nur zweimal wurden die minus 10 Grad unterschritten) und Plustemperaturen am Tage. Letzteres hielt die Gärtnerinnenlaune im glücklichen Bereich: Der Boden fror nicht so weit zu, dass die Bambusse dürsten müssen. Genau das ändert sich allerdings gerade …

Aber schauen wir erst einmal, was der Februar so alles zu bieten hatte.

Winter ohne Schneeglöckchen geht gar nicht. Besonders entzückend sind die weißen Lichttupfen, wenn sie sich an Stellen ausbreiten, an denen man sie gar nicht wissentlich platziert hat – wie hier Galanthus nivalis ‚Flore Pleno’ geschützt unter den Ranken eines Brombeerdickichts

Diese Galanthus ‚S. Arnott’ hingegen wurden gezielt gesetzt. In den frostigen Stunden legen sie sich zu Boden, ein natürlicher Schutzmechanismus der Pflanze. Sie stellt ihren Stoffwechsel um, produziert Glycerin und verändert so den osmotischen Druck in den Zellen (dunkle Erinnerungen an den Chemieunterricht und semipermeable Membranen werden wach …)

Auch Christrosen wie die Helleborus-Hybride ‚Yakima’ stecken einiges an Frost weg und tragen dazu bei, dass das ganze Jahr durchgeblüht wird

Keine Blüten, aber ebenfalls eine echte Zierde sind die kleinen Sporenkapseln des Gewellten Sternmooses (Plagiomnium undulatum), die auf ihren filigranen, gelb-rötlich durchscheinenden Stielen zu schweben scheinen. Die Moose konnten sich in der üppigen Feuchte der vergangenen Monate natürlich prächtig entwickeln

Überraschungsgast des Februars: An einem frühen Sonntagmorgen hatten wir Waldschnepfenbesuch! Die meist dämmerungs- und nachtaktiven Vögel sind mit ihrem an altes Herbstlaub erinnernden Gefieder super getarnt, sodass man sie tagsüber kaum zu Gesicht bekommt. Dieses Exemplar kommt wahrscheinlich aus dem nahegelegenen Mischwald, der mit seinen Lichtungen und feuchten Bereichen einen guten Lebensraum für die Bodenbrüter bietet

Zurück ins Pflanzenreich. Neben den frühen Blütenakzenten ausgewählter Geophyten und Sträucher kann die Attraktivität farbkräftiger Rinden und Blätter (wenn sie denn ganzjährig an den Pflanzen verbleiben) in der kalten Jahreszeit nicht hoch genug gelobt werden: So steht beispielsweise das tiefdunkle Rot der Heuchera-Hybride ‚Obsidian’ in tollem Kontrast zum funkelnden weißen Raureif oder Schnee

Hier steht die Blütezeit noch bevor und Blätter gibt es zurzeit auch keine: Aber Forsythia x intermedia ‚Lynwood Gold’ schürt bereits jetzt durch ihre altersbedingt unterschiedlichen Rindenfarben – rötlich bei den einjährigen Trieben – die Vorfreude auf den Frühling, konkret: auf den Erstfrühling. Denn als phänologische Zeigerpflanze läuten die Forsythien mit ihrem Blütenstart bei uns den zweiten Frühlingsabschnitt ein (eben besagten Erstfrühling, der dem sogenannten Vorfrühling folgt). Infos zur aktuellen Vegetationsentwicklung und zur phänologischen Uhr findet man z. B. beim DWD

Zahlreiche Hartriegel zeichnen sich aufgrund ihrer leuchtenden Rinden ebenfalls durch einen hohen Winterzierwert aus. Im Vordergrund sieht man z. B. das helle Gelbgrün von Cornus stolonifera ‚Flaviramea’, das vom ebenfalls hellen Grün der Blätter und Halme von Phyllostachys nigra ‚Henonis’ vorne links aufgegriffen wird

Keine Zierde und eine absolute Seltenheit bei unserem Sandboden (tatsächlich kann ich mich überhaupt nicht daran erinnern): Staunässe nach den ergiebigen Regenfällen im Januar. Die überall im Garten entstandenen Wasserpfützen verwandelten sich mit zunehmendem Frost in tückisch glatte Eisflächen

Aber auch der Frost hat sein Gutes: Raureif liefert immer wieder den Beweis, dass es sich nicht zuletzt aus ästhetischen Gründen lohnt, den Rückschnitt von Stauden und Gräsern erst im zeitigen Frühjahr vorzunehmen. Das frostige Weiß korrespondiert mit der Weißrindigen Himalaja-Birke Betula utilis var. jacquemontii. Das zarte Bambuslaub hält dem Wetter noch tapfer stand

Viele Fargesien verringern die Verdunstung, indem sie bei sonnigem, trockenem Wetter ihre Blätter einrollen und so deren Oberfläche minimieren, auf dem Bild bei Fargesia spez. Jiuzhaigou 1 gut zu sehen. Was bei den Fargesien ein normaler Schutzmechanismus ist, ist hingegen bei Phyllostachys, Hibanubambusa, Pseudosasa und anderen Bambusgattungen ein deutliches Alarmzeichen: Achtung – es drohen massive Trockenheitsschäden! Noch ist es trotz zunehmender Kälte, üblem Ostwind und oft strahlend blauem Sonnenhimmel nicht so weit. Aber der angekündigte Dauerfrost bei nächtlichen Werten unter minus 10 Grad könnte den bisher wieder sehr bambusfreundlichen Winter noch ins glatte Gegenteil wandeln. Dabei hatten wir den beigen Blätterwald aus 2012 gerade erfolgreich verdrängt …
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Frostige Momente und der Star des Monats: Bambus

Das Wetter lässt es endlich zu: Wir können wieder im Garten wühlen. Sonne und Wolken wechselten sich im Januar ab, die Temperaturen bewegten sich zwischen frostfrei und leichtem Frost. Das Thermometer kletterte aber durchaus schon mal in den zweistelligen Plusbereich: Die frühblühenden Geophyten freuts – sie stehen alle in den Startlöchern.

Langsam kann jetzt der Staudenrückschnitt beginnen. Da unsere Geophyten hauptsächlich in den Wiesenbereichen und weniger in den Staudenbeeten stehen, können wir das ganz entspannt in den nächsten Wochen angehen. Hier drängt uns kaum ein Frühblüher mit seinem Wunsch nach Licht und Luft. Lediglich die wilden Tulpen werden von den welken Gräsern befreit. Und natürlich kommen auch Stauden und Gräser, die matschig aussehen und flach liegen, weg, aber der Rest darf uns hoffentlich noch zahlreiche schöne winterliche Gartenmomente bescheren.

Neben den glitzernden Schönheiten an frostigen Morgen stand für uns in diesem Monat unser Bambus im Mittelpunkt. Mit seiner immergrünen Üppigkeit belebt er den winterlichen Garten.

Der Bambuswald überzeugt gerade im Winter durch sein helles Grün. Links daneben in schönem Farbkontrast: Betula utilis var. jacquemontii 

Allerdings hatte unser Bestand unter einem Nassschneeeinbruch dann doch zu leiden. Dieser hat den inzwischen über sieben Meter hohen Bambuswald kurzzeitig in die Knie gezwungen.

Da wird die Blättermasse zum Handicap: Nassschnee am 18. Januar 2018
Auch Phyllostachys bissetii geht in die Knie
Keiner bleibt verschont: Phyllostachys nigra ‚Henonis‘ in der Waagrechten

Bei diesen Witterungslagen macht sich die Flexibilität der Halme bezahlt. Bis auf drei Phyllostachys-Halme hatten wir keinen Bruch zu beklagen.

Ein recht freistehender Ph. vivax ‚Huangwenzhu‘-Halm musste leider daran glauben. Die Halme der Varianten von Ph. vivax sind bei schwerem Nassschnee besonders bruchgefährdet, da sie nicht sehr dickwandig sind

Anlass zur Klage gab hingegen die Vollblüte von Phyllostachys propinqua. Wir haben hier schon darüber berichtet. Dieses Jahr haben wir uns nun entschlossen, den Bestand oberirdisch zu roden, da das Ganze doch einfach zu unansehlich wurde und auch die neuen Halme kaum Blätter trugen. Die Rhizome liegen noch in einem definierten Areal im Boden. Warten wir ab, was im Frühjahr passiert.

Einige gekappte Halme von Phyllostachys propinqua
In der Silhouette des Wilden Gartens ist eine Lücke zwischen Ph. bissetii (links) und Birke entstanden:  Nun darf Ph. bissetii den Raum von Ph. propinqua füllen

Neben dem Rückschnitt der Stauden kommen auch die Weiden langsam in den Fokus. Im „drop of wilderness“ wurden sie bereits eingekürzt. Der Name hat historische Gründe, denn dieses Areal von dicht nebeneinanderstehenden Sal-Weiden (Pionierpflanze in unserer ehemaligen Brache) ist von selbst entstanden. Es wird von uns als hochwillkommener Windschutz jedes Jahr in Form gebracht. Wir kappen die Triebe kniehoch (beim Schnitt Betonung auf nach oben wachsende Äste, um seitliche Äste zu stärken und ein dichtes Grün zu erreichen) und der Neuaustrieb beschert uns alljährlich ein wunderschönes, dichtes Weidenareal.

Noch etwas Schnee, aber tagsüber schon deutlich frostfrei: Rückschnitt des Weidenareals
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Das war 2017

Es war ein durch und durch ungewöhnliches Gartenjahr. Was uns von 2017 vor allem anderen in Erinnerung bleiben wird ist Regen, Regen, Regen – und ein daraus resultierendes Dschungelfeeling … Doch fangen wir vorne an …

Januar

Wild Gardening | Gartenblog | Review Januar 2017

Der Januar startete kalt und winterlich: Wenn der Bambus sich mit Raureif gepudert in der Sonne wiegt, sieht das wunderschön aus. Für uns schwingt an solchen Tagen aber immer die Sorge mit, wie unsere Immergrünen die für sie stressige Kombination aus niedrigen Temperaturen und Sonnenschein überstehen. Gerade wenn es – wie im Januar 2017 – temperaturmäßig in den zweistelligen Minusbereich geht, wird es für einige Sorten schon ein wenig „eng“. Aber dieses Jahr hatten wir Glück. Auch die nicht so super winterharten Bambusse kamen ohne dramatische Blattschäden durch die kalten Monate.

Februar

Wild Gardening | Gartenblog | Review Februar 2017

Ostwind, Dauerfrost und etwas Sonne. Was für tolle Lichtmomente im winterlichen Garten. Gerade die Gräser zeigen sich in diesen Augenblicken in voller Schönheit. Im Bild zu sehen: die Blüte von Miscanthus sinensis ‚Malepartus’.

Nachdem der winterliche Januar uns nicht viel im Garten erledigen ließ, konnten wir im Februar mit dem Rückschnitt loslegen. Das, was nicht mehr gut aussieht, kommt zuerst weg, wie einige Stauden und Gräser, die jetzt einfach platt liegen.

März

Wild Gardening | Gartenblog | Review März 2017

Es ging im März gleich mit einem Hammer los: Ein Hermelin im Winterkleid stromerte durch unseren Garten. Wir sind beglückt!

Die Lerchen sangen schon Anfang des Monats und der Frühling legte gleich richtig los. Wir genossen das Sprießen und Austreiben überall, das Wetter erlaubte erste Teepausen draußen: Man hatte das Gefühl, das Gartenjahr erreicht seinen ersten Höhepunkt. Viele Frühlingsjobs, wie letzter Rückschnitt und Unkraut jäten, konnten prima angegangen werden.

April

Wild Gardening | Gartenblog | Review April 2017

Der April ließ es tüchtig blühen: Zierkirschen, Magnolien, Tulpen, Narzissen, Krokusse – sie alle bringen Farbe in den Garten.

Mai

Wild Gardening | Gartenblog | Review Mai 2017

Das Frühjahr bei uns im Garten besticht nicht nur durch bunte Blütentupfen. Auch die zahlreichen grünen „Explosionen“ sind einfach bewundernswert: Vor allem die Farne im Schattengarten geben jetzt Vollgas.

Juni

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Der Juni ist der Monat der wilden Wiesen. Ihr Farbspiel an lauen Sommerabenden ist immer wieder umwerfend – und es macht unseren Garten zu dem, was er ist.

Wie geplant, rücken wir in diesem Jahr den Ackerkratzdisteln etwas zu Leibe. Allerdings wird unser Elan im späteren Jahr dadurch gebremst, dass uns eine über zwanzig Köpfchen zählende Distelfinkenschar mit ihrer Anwesenheit im Garten mehr als deutlich zeigt, dass gerade „Unkraut“ unbedingt auch unter anderen Aspekten betrachtet werden sollte.

Juli

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Ab jetzt findet sich im Gartentagebuch immer wieder die Bemerkung „schon wieder Regen“. Das Wettergrundmotiv des Jahres nahm ab Ende Juni ordentlich Fahrt auf. Man sagt, die Norddeutschen seien Regen gewöhnt. Das mag schon stimmen, aber normalerweise gibt es hier zwischen den Schauern immer wieder trockene Phasen. Pausen, die einen nach draußen locken und auch einen Regentag genießbar machen. Nur in diesem Jahr präsentierte sich der Regen ab Mitte des Jahres an vielen Tagen als Dauerzustand. Die Frustration war zunächst groß, gegen Ende des Jahres schlug sie dann in Resignation um (siehe unten).

Doch zunächst weiter zum Juli. Ein Gutes hatte das Nass von oben: Durch den aufgeweichten Boden ließen sich die anstehenden Rhizomarbeiten (Abstechen der laufenden Bambusrhizome) wesentlich leichter als sonst durchführen. Das sparte uns viel Kraft. Ein weiterer positiver Aspekt: Der Garten schien zu explodieren. Die Pflanzen freute der Regen, das Wachstum war üppigst. Vor allem beim Bambus entwickelten sich regelrechte Dschungelecken. Toll!

August

Wild Gardening | Gartenblog | Review August 2017

Tagebucheintrag vom 20.08.2017: „Wo bleibt der Spätsommer?“ Okay, okay, wir werden langsam jammerig, was das Wetter anbelangt …

September

Wild Gardening | Gartenblog | Review September 2017

Anfang September kamen schon erste Herbstgefühle auf. Aber es gibt gerade um diese Zeit vieles, was einen erfreut – wie beispielweise unser Dauerblüher Lespedeza thunbergii. Einer unserer echten Favoriten in diesem Jahr: Habitus, Wüchsigkeit, Farbenpracht – alles total überzeugend.

Oktober

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Der Oktober hatte es wettermäßig wieder in sich: Tüchtig Wind und, was soll ich sagen, Regen. Das Sturmtief „Xavier“ haben wir hier aber glücklicherweise gut überstanden. Der Bambus lag zum Teil fast waagrecht, aber es ist weder bei diesen elastischen Gräsern noch bei unseren Bäumen etwas gebrochen (außer Totholz).

So langsam entwickelte sich im Garten jedoch etwas, was wir bei unserem Sandboden noch nie kennengelernt haben: Staunässe. Wenn man über den Rasen geht, schmatzt es unter den Füßen. In vielen Gärten mit Lehmboden gänzlich normal, für uns total fremd. Ohne Gummistiefel kann man nicht mehr raus. Die nicht geteerten oder gepflasterten Wege in der Umgebung mutieren zu Schlammpisten.

November

Wild Gardening | Gartenblog | Review Novermber 2017

So langsam fällt uns nix mehr ein: Das ist das einzige Foto, das wir im November aufgenommen haben. Sagt alles …

Dezember

Wild Gardening | Gartenblog | Review Dezember 2017

Der Dezember erfreut uns mit dem ersten Schnee – alles ist besser als Regen!

Es tut einfach gut, mal wieder etwas anderes zu sehen als graue Tristesse und das Knirschen unter den Sohlen ist eine herrliche Abwechslung zum inzwischen schon üblichen Schlammschmatzen.

Fazit: Ein schwieriges Gartenjahr liegt hinter uns. 1 199,75 Liter Regen im Vergleich zu 804 Litern 2016. Die Auswirkungen werden sicherlich noch weit in 2018 hinein spürbar sein. Zum einen negativ: Denn im Herbst konnten wir nicht mehr Unkraut jäten. Das wird uns im nächsten Jahr einholen. Aber dennoch sind wir voller Hoffnung auf ein tolles, neues Gartenjahr. Denn das Positive ist ein echter Dschungeleffekt, der nach über zehn Jahren erstmals das Gefühl von grüner, überbordender Üppigkeit aufkommen lässt. Darauf haben wir all die Jahre gewartet. Und wenn es dafür halt ein bisserl mehr regnen musste – auch gut.

Auf ein wundervolles Gartenjahr 2018! Mit viel Sonne und angemessenem Regen.

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Mien Ruys, Henk Gerritsen, Piet Oudolf – inspirierende Giganten

In den letzten Jahren konnten wir zahlreiche Gärten und Parks in den Niederlanden besuchen. Eine Auswahl an schönen Frühlingsgärten haben wir bereits hier im Blog vorgestellt.

Manche Gärten bei unseren niederländischen Nachbarn sind so eindrucksvoll, dass ein einziger Besuch für sie einfach nicht ausreicht: zu wegweisend die Pflanzenauswahl und -zusammenstellung, zu nachahmenswert die formgebenden Linien, zu mitreißend die Vielfalt im Garten. Man muss also wieder kommen. Zu einer anderen Jahreszeit, bei anderem Wetter, bei anderem Licht. Hier sind drei unserer Immer-und-immer-wieder-gerne-Highlights:

Tuinen von Mien Ruys, Dedemsvaart

„Ich kann nur Gärten und Tee machen“ – das hat Mien Ruys (1904–1999) oft von sich gesagt. Tee machte sie selten, aber Gärten gestalten, das tat sie jeden einzelnen Tag ihres langen (Erwachsenen-)Lebens. Die unermüdliche Gärtnerin hat mit ihren Arbeiten viele Gartengestalter inspiriert, unter anderem Henk Gerritsen und Piet Oudolf. Darum muss sie auch als erste in unserer Liste der „Giganten“ stehen.

Wild Gardening | Gartenblog | November 2017 |

Geheimnisvoller Eingang – hier wird erst mal nichts verraten

Der Garten in Dedemsvaart war im Sommer ihr Experimentierfeld. Den Winter verbrachte Mien Ruys immer in Amsterdam, wo sich ihr Designbüro befand. Was in Dedemsvaart im Küchengarten ihrer Eltern einst begann, endete ebendort in einer ca. 1,5 Hektar großen Anlage mit mehreren Gärten – insgesamt 30 Räume der Inspiration.

Wild Gardening | Gartenblog | November 2017 | Border Mien Ruys

Die „Experimentelle Border“ von Mien Ruys – 30 Meter lang und vier Meter breit. Die Farbpalette ist beschränkt auf Gelb, Orange und Rot, alternierend mit Blau und Lila. Wichtig war der Gestalterin der dieser Border gegenüberliegende offene Raum – er bringt Ruhe in das Gesamtensemble

Zahlreiche Entwürfe von Mien Ruys finden sich noch heute in Gartengestaltungen wieder.

Wild Gardening | Gartenblog | November 2017 | Mien Ruys Betonschale

Im „Vertieften Garten“ aus dem Jahr 1960 gibt es Designelemente, die zu echten Klassikern wurden – im Bild: Bahnschwellen als Material für Mäuerchen und Stufen sowie der dekorative Einsatz von Beton, hier in Form einer Wasserschale

Wild Gardening | Gartenblog | November 2017 | Mien Ruys Gelber Garten

Der „Gelbe Garten“: Der Kreis ist mit kleinen gelben Klinkern angelegt. Ihn umgeben Stauden in verschiedenen Gelbtönen

Wild Gardening | Gartenblog | Nov 17 | Mien Ruys | Dachterrasse

Bei der von Mien Ruys gestalteten „Dachterasse“ wurde mit Pflanzen und Materialien experimentiert. Schließlich müssen diese speziellen Witterungsverhältnissen standhalten – ganz besonders Wind und Trockenheit

Wild Gardening | Gartenblog | Nov 17 | Mien Ruys Sumpfgarten

Die in diesem Sumpfgarten verwendeten Materialien sind aus Kunststoff – sie setzen gradlinige Akzente im immer weiter zuwachsenden Grün

Wild Gardening | Gartenblog | Nov 17 | Mien Ruys Gestutzter Garten

Ein letztes Experiment: ein Gartenteil ganz ohne Blumen („Gestutzter Garten“). Das Wasserbassin bildet das Herzstück dieses Bereichs – eingefasst von gestutzten Hecken und begleitet von Gräsern. Im Todesjahr von Mien Ruys, 1999, entstanden

 

Priona in Schuinesloot – der Garten von Henk Gerritsen

Beschäftigt man sich mit der Philosophie von Henk Gerritsen (1948–2008), weiß man um seine überaus enge Verbundenheit zur Gartengestaltung von Mien Ruys. Ihr wilder, aber von strengen Formen begrenzter Stil, war für den Autodidakten die Ausgangsbasis seiner Arbeit, die er als noch wilder und nicht so streng wie die ihre bezeichnete. Zunächst war der Garten von Mien Ruys – Dedemsvaart liegt ganz in der Nähe von Schuinesloot – sogar der einzige andere, den Henk Gerritsen überhaupt kannte.

Entscheidend wurde für ihn ein Satz von Mien Ruys, dem er nicht zustimmen konnte: „Man kann Natur im Garten nicht kopieren.“ Henk trat an, um genau das Gegenteil zu beweisen. Er experimentierte mit Pflanzengemeinschaften, die er in vielen Ländern an ihren Naturstandorten kennenlernte. Dafür nutzte er Pflanzen, die zum damaligen Zeitpunkt (in den Achtzigern) nicht leicht zu bekommen waren – er fand sie in der Gärtnerei von Piet Oudolf.

Wild Gardening | Gartenblog | Nov 17 | Priona

Kaatje’s Garten ist eine Art Satire auf den formalen Garten. Absurde Eiben-Topiary inmitten von wilden Pflanzen und Gräsern – ein Bild, das für Priona steht

Wild Gardening | Gartenblog | nov 17 | Priona Border

Fast schon klassisch dagegen, die Long Border – 35 Meter lang, und 5,5 Meter breit

Wild Gardening | Gartenblog | Nov 17 | Priona Wiesen

Ein rigoroses Mähmanagement hat in Priona immer authentischere Wiesen entstehen lassen. Die meisten Arten haben sich selbst angesiedelt

Wild Gardening | Gartenblog | nov 17 | Priona Pflanzengemeinschaften

Die Zusammenstellung machts: Wie in der Natur – Henk Gerritsen dachte bei der Gestaltung in Pflanzengemeinschaften

Wild Gardening | Gartenblog | Nov 17 | Priona Farbenspiel

In der Nähe des Wassergartens werden die Farben gedämpfter

Wild GArdening | Gartenblog | Nov 17 | Priona Teich

1991 ist der Wassergarten entstanden. Die Tiere freuts: Frösche, Salamander, Libellen und sogar Wasserschlangen gibt es hier. Im späten Sommer blüht Impatiens gladulifera ‚White Queen’ prominent. Der Eye-Catcher ist aber die Wasserpflanze Stratiotes aloides (Krebsschere)

Was wir von Henk Gerritsen gelernt haben? Sehr viel, vor allem was seine Verwendung von möglichst authentischen Pflanzengemeinschaften anbelangt – dies schafft vollkommen natürlich wirkende Bereiche im Garten. Aber am wertvollsten – weil am entspannendsten – ist ein Tipp ganz am Rande: Wenn man eine gut geschnittene Rasenfläche mit einer klaren Kante hat, sieht keiner mehr, ob das Blumenbeet dahinter picobello gejätet ist. Wir haben es ausprobiert. Stimmt genau! Unbedingt zur Nachahmung empfohlen.

 

Oudolf in Hummelo

„Let it happen“ – das ruft Anja Oudolf uns bei einem unserer Besuche im Garten in Hummelo noch nach. Und es ist fürwahr ein Eintauchen, Fallenlassen und Versinken.

Der Garten hat sich mit den Jahren verändert – so wie sich auch die Designarbeit seines Schöpfers gewandelt hat. Inzwischen ist Piet Oudolf weltbekannt, sein Einfluss als Gartengestalter geadelt durch die unvergleichliche Highline in New York.

Zu Hause in Hummelo ist die einst berühmte, den Garten über lange Zeit prägende Heckenwelle inzwischen verschwunden.

Wild Gardening | Gartenblog | Nov 17 | Hummelo Heckenwelle

Dieses und das folgende Bild stammen aus dem Jahr 2008

Wild Gardening | Gartenblog | Nov 17 | Hummelo Heckenwelle

Zu sehen ist die einst den Garten prägende Hecke in Wellenform

Wild Gardening | Gartenblog | Nov 17 | Hummelo

Dieses und das nächste Bild stammen aus den Jahren 2016 und 2017 – die Heckenwelle gibt es nicht mehr

Wild Gardening | Gartenblog | Nov 17 | Hummelo Wasserdost

Die Bepflanzung ist insgesamt wilder und natürlicher

Das Gefühl, in einem Meer aus Stauden und Gräsern zu versinken, durchflutet einen in diesem Gartenteil jetzt noch viel intensiver. Die Pflanzungen sind deutlich wilder, Blockpflanzungen verschwunden, die Abgrenzungen der einzelnen Pflanzengruppen zueinander scheinen weicher, durchlässiger, die Übergänge wirken zufälliger, natürlicher.

Dort, wo früher die Gärtnerei angesiedelt war, steht nun das Atelier des Gartendesigners, umwunden vom sogenannten „Bürogarten“.

Wild Gardening | Gartenblog | Nov 17 | Oudolf Atelier

Das Atelier mit dem davor liegenden Bürogarten

In diesem Gartenteil wird seit 2011 experimentiert – Wiesenflächen sind mit spätblühenden Stauden durchzogen. Dieser für naturnahe Gärtner immer wieder herausfordernde Versuch, Wiesengras und Stauden zu kombinieren, ist neben der reinen Ästhetik auch im Hinblick auf die Artenvielfalt ein spannender Ansatz. Die Frage lautet jedoch: Können die Stauden den Gräsern wirklich auf Dauer standhalten? Die Antwort muss bisher lauten: sie können. Es sieht wunderschön und natürlich aus. Wir sind gespannt auf unseren nächsten Besuch.

Wild Gardening | Gartenblog | Nov 17 | Hummelo Bürogarten

Die experimentelle Bepflanzung im Bürogarten

Wild Gardening | Gartenblog | Nov 17 | Hummelo Wiesen + Stauden

Gräser und Stauden wechseln sich ab

Literatur:
Anet Scholma und Conny den Hollander, Proeven in de Tuinen Mien Ruys, Dedemsvaart, 2015
Henk Gerritsen, Gartenmanifest, Stuttgart, 2014
Piet Oudolf und Noel Kingsbury, Oudolf Hummelo, Stuttgart, 2016
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Das Wetter

Die Beziehung zwischen Garten und Wetter ist naturgegeben – und für uns Gärtnerinnen ein echtes Dauerthema. Das haben die letzten Posts ja auch schon deutlich gezeigt. Doch in diesem Jahr war das Wetter wirklich derart speziell, dass wir hier noch einmal näher darauf eingehen möchten.

Denn unser Garten ist wetterbedingt quasi „explodiert“. Ein kurzer, warmer Vorfrühling. Ein Sommer mit viel, viel Regen (wir hatten Ende September schon so viel Niederschlag zu verzeichnen wie im ganzen Jahr 2016), angenehme, nicht zu heiße Temperaturen. Der Herbst? Nun ja, er wirkt wie ein verlängerter Sommer 2017: Regen, ganz wenige goldene Sonnentage, oft bewölkt, milde Temperaturen – bringen wir es auf den Punkt: allerbestes Bambuswetter.

Doch nicht nur der Bambus hat profitiert von der permanenten Feuchtigkeit von oben. Auch die Bäume und Sträucher legten einen enormen Wachstumsschub hin. Endlich mal ausreichend Wasserzufuhr im sonst so trockenen Heidesandboden.

Zahlreiche Regentropfen hängen wie kleine Diamanten an den Astern

Wir gärtnern in unserem Wilden Garten seit gut zehn Jahren. Mit diesem Jahr tritt – befeuert durch das feuchte Wetter – für uns ein deutlich wahrnehmbarer Umschwung ein. Bisher haben wir viel rein gepackt: Staudenbeete angelegt, Strauch- und Heckenborder sowie Bäume angepflanzt, Bambusareale geschaffen, Wiesengebiete definiert. Jeder Gartenrundgang zeigt uns jetzt: Nun dürfen wir im Zaum halten, rausnehmen, umsetzen, Bereiche freihalten. Das wird für uns zahlreiche neue gärtnerische Erfahrungen mit sich bringen.

Der Bambuswald an der westlichen Grundstücksgrenze hat richtig Form angenommen und macht jetzt seinem Namen alle Ehre: hinten im Sonnenkegel Phyllostachys aureosulcata ‚Aureocaulis’ und rechts daneben Ph. vivax ‚Huangwenzhu’, links im Schatten Ph. nigra ‚Boryana’, im Vordergrund: Fargesia rufa und Farg. denudata ‚Lancaster 1’. Ganz vorne im beeindruckenden Herbstfarbenspiel: Persisches Eisenholz (Parrotia persica)

Ein Blick von oben: Die Gartenareale füllen sich. Links in der Mitte noch nicht gemähte Wildwiese mit dem schon deutlich entblätterten Birkenhain; die rechte Wiese ist bereits gemäht. Im Vordergrund: die Staudenbeete beim Haus, deutlich herbstlich angehaucht

Die letzten Tage haben uns erneut mit ausreichend Niederschlag versorgt, Sonnentage gab es aber (für die Seele) auch ein paar. Dabei entstanden diese Bilder aus einem zunehmend bunten Herbstgarten:

Detailaufnahme der überwältigenden Gelb-Rot-Magenta-Nuancen von Parrotia persica. Hier die Sorte ‚Vanessa’

Immer ein echter Hingucker: Cercis canadensis ‚Forest pansy’. Die stark besonnten Bereiche verfärben sich schon orange

Mit die intensivste Herbstfärbung im Garten zeigt der Essigbaum Rhus typhina. Ein starker Läufer. Wir haben inzwischen (im Moment noch sehr willkommen, wann das wohl kippen mag?) zahlreiche kleine und größere Jungbäume

Auch unser Perückenstrauch Cotinus coggygria ‚Grace’ hat dieses Jahr einen mächtigen Wachstumsschub hingelegt. Ob die langen Äste den Herbst- und Winterstürmen standhalten?

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Septembergarten

Während wir uns vergangenes Jahr um diese Zeit noch über Trockenheit (und andere Torturen) beklagt haben, können wir über mangelnden Regen in diesem Sommer nun wirklich nicht meckern. Aber das hat ja auch sein Gutes: Bäume, Stäucher, Stauden und – allen voran! – Bambus ließen 2017 im Garten einen ordentlichen Satz – nach oben und in die Breite. Also schon mal Notizen für frostfreie Wintertage machen, wo überall Aufasten, Rückschnitt oder gar vollständiges Eliminieren (ich denke da an kränkelnde junge Kopfweiden und unpassend – wahrscheinlich „vogelinduziert“ – platzierte Traubenkirschen) angesagt ist.

Immerhin ist es uns gelungen, eine Phase, in der das hohe Gras nicht völlig durchnässt war, zu nutzen, zwei Wiesenbereiche mittels Balkenmäher und Motorsense runter zu schneiden. Die nächste Herausforderung besteht nun darin, erneut zeitnah einen passenden Slot für ein schönes Mäh-Finish mit dem Aufsitzer zu erwischen, damit die Flächen nicht ganz so unegal abgefressen aussehen. Ob das klappt?

Was war sonst noch los im Septembergarten? Fangen wir wieder mit einigen tierischen Gästen an.

An einem – nur mit einem Hauch von Wolken versehenen – Sonnentag besuchte uns eine weibliche Vertreterin der Gemeinen Heidelibelle und ließ sich für ein viertel Stündchen auf einem Gartenstuhl nieder

In den Staudenbeeten finden die Insekten immer noch reichlich Blüten für die Nahrungssuche, zum Beispiel an der Sedum-telephium-Hybride ‚Herbstfreude’

Und natürlich an den Staudensonnenblumen: hier eine Ackerhummel an Helianthus ‚Lemon Queen’

Ein engagierter Spätsommer- und Herbstblüher ist auch der Buschklee. Mit seinen langen überhängenden Zweigen verschönert er Böschungen und Mauern – oder er webt sich wie Lespedeza thunbergii auf dem Bild in ein Gräsermeer aus Panicum virgatum ‚Shenandoah’ und Calamagrostis brachytricha

Meine Begeisterung für die Blütenfontänen dieser wertvollen Insektennährpflanzen führte diesen Monat gleich zu einer Neuerwerbung: Bei einem Besuch in der fantastischen Gärtnerei „De Hessenhof“ von Hans Kramer in den Niederlanden mussten – unter anderem, versteht sich – unbedingt noch zwei Lespedeza thunbergii ‚Gibraltar’ mit. Die ursprünglich in den USA entdeckte Sorte soll besonders wüchsig sein. Ich bin gespannt! Buschklee kommt mit trockenen, nährstoffärmeren Böden gut zurecht, was bei uns in der Heide ein weiterer Pluspunkt ist – nun gut, nicht gerade in diesem Jahr. Winterschutz im Wurzelbereich nicht vergessen. Ein starker Rückschnitt im Frühjahr führt zu üppigem Neuaustrieb und beseitigt erfrorene Zweige. Die Pflanze blüht an diesjährigen Trieben

Ebenfalls einen hohen Zierwert hat der Chinesische Blumen-Hartriegel – und zwar über Monate. Das erste Saisonhighlight von Cornus kousa var. chinensis sind seine jeweils von vier strahlenden weißen Hochblättern umgebenen kleinen Blütenköpfchen, deren schiere Masse den ganzen Baum im Juni für einige Wochen in einen echten Hingucker verwandelt. Dem weißen Spektakel folgen reizende rosarote Früchte, die an Erdbeeren oder Himbeeren erinnern. Aber damit nicht genug: Das leuchtend rot gefärbte Herbstlaub sorgt zum Ende des Jahres noch einmal für Aufsehen

Mit prächtiger blutroter Herbstfärbung punktet ebenfalls Parthenocissus quinquefolia ‚Engelmannii’. Die Jungfernrebe erklimmt mit ihren kleinen Haftscheiben ganz selbstständig und ohne zerstörerische Nebenwirkungen Mauern, Fassaden oder was sonst noch so vertikal in ihre Nähe kommt. Bei ‚Engelmannii’ sind die Haftscheiben besonders gut ausgeprägt – Sturmböen muss jedoch auch diese Sorte ihren Tribut zollen (jedenfalls wenn man auf den ergänzenden Support in Form eines Klettergitters verzichtet hat). Was aber durchaus seinen Reiz haben kann, so ein windzerzaustes Gewirr herabhängender, farbenfroher Girlanden

Würde man jetzt vielleicht beim Thema Herbstfärber nicht als Erstes drauf kommen – und ist gerade deshalb mal eine Erwähnung wert: Forsythia x intermedia ‚Lynwood’. Während Forsythien (zu Recht!) in kaum einem Beitrag über attraktive Frühjahrsblüher fehlen, sind sie für den Rest des Jahres im gärtnerischen Bewusstsein eher ganz unten verschüttet. Zu Unrecht, zumindest was die Sorte ‚Lynwood’ anbelangt. Denn sie zaubert eine breite Farbpalette von lichtem Gelb über Rosétöne bis hin zu dunklem Violett auf ihre Blätter – und sich selbst damit wieder ins freudig-überraschte Auge des Betrachters

Definitiv in keiner Jahreszeit zu übersehen: Bambus. Zum Abschluss daher wenigstens noch ein Blick auf unser geliebtes Riesengras, welches sich inzwischen bei den Vögeln als 1a-Nistplatz, Schlechtwetterunterstand und Schlafdomizil – gerne auch als Mehrbettunterkunft von ganzen Kolonien genutzt – rumgesprochen hat. Auf diesem Bild von links nach rechts: Fargesia rufa (also einige Zentimeter der inzwischen sechs Meter Breite einnehmenden Pflanze. Dazu mehr in einem der nächsten Posts. Überhaupt: Bambus kommt hier seit einiger Zeit echt zu kurz), Phyllostachys nigra ‚Boryana’, Hibanobambusa tranquillans ‚Shiroshima’, Fargesia murielae ‚Standing Stone’ und Fargesia spez. ‚Jiuzhaigou 1’

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Hochsommer – war da was?

Einstellige Nachttemperaturen, gerade mal ein Tag mit 28 Grad im Schatten: Zwischen diesen Werten pendelte sich der August bei uns ein. Hochsommerfeeling wollte da nicht aufkommen. Aber als waschechte Norddeutsche lässt man sich davon natürlich die Sommerlaune nicht verderben – sondern hüllt sich erst in Strickjacke, dann noch den Wollponcho drüber und schon kann man die feucht-kühlen Abende locker im Grünen genießen. Schöne Belohnung fürs Ausharren: Die Schleiereule lässt sich bei ihrer lautlosen Jagd über die abgeernteten Felder sehen. Womit wir schon wieder im Tierreich gelandet sind.

War bereits mehrfach im Bild: eine Erdhummel. Die pelzigen Hautflügler finden in unserem Garten eine ideale Heimat und legen ihre Bauten oft in alte Mäusegänge. Hier tut sich Bombus terrestris an Eryngium planum gütlich

Großer Beliebtheit bei zahlreichen Insektenarten erfreut sich Origanum vulgare. Hatten wir im Juli-Post schon behauptet – nun ein paar Beweisfotos. Bei diesen Besuchern handelt es sich um Mistbienen, schicke Fliegen, deren Aussehen tatsächlich an eine Biene erinnert

Ein besonders spannender Tagfalter ist das Landkärtchen: Abhängig von der Jahreszeit, gibt es eine helle Frühjahrsgeneration und eine dunkle Sommerform (Juli bis August, im Bild) – ein Paradebeispiel für Saison-Dimorphismus. Die Zweigestaltigkeit entsteht durch die unterschiedliche Tageslänge, der die jeweiligen Raupen und Puppen ausgesetzt sind. Landkärtchen-Raupen brauchen Brennnesseln als Futterpflanzen. Ein guter Grund, einige dieser robusten Stauden in einer unauffälligen Ecke des Gartens stehen zu lassen

Auch der Distelfalter findet Gefallen am Oregano. Und seine Raupen – Überraschung! – bevorzugt an Disteln

Wie aufmerksame Blogleser längst wissen, herrscht daran bei uns kein Mangel. Sobald das Wetter es zulässt, wird diese Wiese endlich gemäht. Im kommenden Jahr wollen wir da eher ran – gleich nach der Blüte

Auch eine Art Sommerfeeling: drohende Gewitterfront von Nordwesten. Vorne blühend im Beet (v. l. n. r.): Agastache ‚Black Adder’, Helianthus ‚Lemon Queen’, Eupatorium fistulosum ‚Riesenschirm’ und Eupatorium purpureum

Das Gewitter taucht den Garten in ein getuschtes, fahles Blaugrün

Nach Regen folgt Sonnenschein: Aster pyrenaeus ‚Lutetia’ zeigt die ersten Blüten, bei Sedum telephium ‚Herbstfreude’ dauert es noch ein paar Tage. Mittendrin – wie so oft bei uns – Sporobolus heterolepis, das fantastische Fallsamengras

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